Ich möchte hier einige Worte über unsere unvergessliche Tour nach Schweden Ende Mai 2023 verlieren. Mein Video fängt die Erlebnisse gut ein. Doch oft braucht es Zeit, um die Erfahrungen zu verarbeiten. Wir müssen verinnerlichen, was wir tatsächlich erlebt haben. So unspektakulär es auf den ersten Blick auch erscheinen mag.

Preethi und ich haben uns durch den Reiseveranstalter Scandtrack https://www.scandtrack.com/ aufgemacht, den wir durch eine Google-Suche unter den Stichworten „Kanutour+Schweden“ entdeckt haben, um unsere erste kleine Outdoor-Tour in Schweden zu erleben. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnten: Es würde der Beginn eines langanhaltenden Hobbys sein. Bislang hat sich diese Leidenschaft für uns bewährt, und wir finden uns jedes Jahr ein- bis zweimal in der Wildnis wieder, wo wir in unserem Urlaub kleinere Projekte verwirklichen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein Kanuverleih ist ausgesprochen günstig, sodass lediglich die An- und Abreisekosten zu beachten sind. Das Übernachten in der unberührten Natur (eng.: Overnighter) geht zudem ohne zusätzliche Kosten vonstatten.

Zumeist haben die Projekte keinen dauerhaften Bestand, da man gemäß dem schwedischen Jedermannsrecht den Platz so hinterlassen muss, wie man ihn vorgefunden hat. Müll ist selbstverständlich zu entsorgen. Der Zweck unserer Bushcraft-Projekte – der Fähigkeit, in der Natur zu leben und zu überleben, wobei Fertigkeiten wie Feuermachen, Nahrungsbeschaffung und der Bau temporärer Unterkünfte im Vordergrund stehen – und der anderen Dinge, die wir dort errichtet haben und noch errichten werden, liegt daher nicht im bloßen Erhalt, sondern in einer tiefen, persönlichen Erdung, einem erfüllenden Gefühl des Willkommen-Seins in der Natur und dem Streben nach einem besseren, gesünderen Leben. Ihr merkt vielleicht, worauf ich hinauswill: Das wahre Lebensglück lässt sich nicht immer mit Geld erkaufen. Natürlich dokumentieren wir unsere Erlebnisse mit Smartphones und GoPros, doch die Abstinenz von sozialen Medien und anderen Themen wie Weltpolitik wird über Wochen hinweg völlig irrelevant. Genau an diesem Punkt lernt man sich selbst kennen. Wenn man gänzlich frei von den Einflüssen anderer ist, erkennt man erst, was im Leben wirklich zählt.















Ich verfasse die Zusammenfassung bewusst kurz. Bild und Ton im Video ermöglichen es, alles deutlich bequemer in Erfahrung zu bringen. Die Anreise per Bus gestaltete sich als äußerst unangenehm. Der Bus war massiv überfüllt, die Gepäckablagen quollen über, sodass die Gepäckstücke im Gang lagen. Wasser und Essen waren bereits ausverkauft, als wir einstiegen, und die Toilette blieb unzugänglich, weil sich einige Fahrgäste dort wie Schweine benahmen. Es mangelte an Beinfreiheit, und das einzig Mögliche war, einen Versuch zu wagen, auf den unbequemen Sitzen zu schlafen – was jedoch ohne Schmerzen unmöglich war. Bei unserer Ankunft folgten wir lediglich den Mitreisenden, da niemand so recht wusste, wohin wir gehen sollten. Wir gingen ein Stück durch den Wald. Dann standen wir auf einer weiten Lichtung. Die provisorischen, großen Zelte dort erschienen mir fast surreal. In den Lagerzelten wurden alle Utensilien aufbewahrt, die uns nach Vorlage der Papiere entsprechend ausgegeben wurden – also alles, was wir dazugebucht hatten. Nach der Ausgabe mussten wir alles zum See tragen, etwa 200 Meter über einen leicht abfallenden Waldweg. Unten angekommen, meldeten wir uns an der Kanuausgabestelle und erhielten unser zugeteiltes Kanu. Das Wetter sah verheißungsvoll aus, also setzte ich meine Freundin nach hinten, um das Kanu zu lenken. Dies sollte sich später als fehlerhafte Entscheidung herausstellen.

Was war geschehen? Ein plötzlicher Wetterumschwung hatte die Wellen auf dem Foxen-See emporsteigen lassen, so hoch, dass sie beinahe die Oberkante unseres Kanus erreichten. Schwer beladen war unsere Lage kritisch; es war entscheidend, im Zickzack durch die Wellen zu navigieren, um nicht mitten auf dem See unser gesamtes Gepäck zu verlieren. Zu diesem Zeitpunkt war uns noch nicht bewusst, dass Rucksäcke bei Kanureisen praktisch nutzlos sind – schwimmende Nahrungsmittelboxen, die man geschickt mit Paracord miteinander verbindet, erweisen sich als weitaus sinnvoller. Sie sind nicht nur verlustsicher, sondern dienen auch als nützliche Schwimmhilfen.


Nach einer unerwarteten Notlandung wechselten wir die Plätze – ich fand mich nun hinten wieder und übernahm das Steuer, während meine Freundin an einem vollkommen windstillen Tag den Wunsch verspürte, es erneut zu versuchen. Wir machten uns auf die Suche nach einem abgelegenen Stück Wald, wo wir unser Zelt aufschlagen konnten, und errichteten unser Lager an diesem idyllischen Ort. Mit unserem Hobo-Ofen und der feuerfesten Matte als Unterlage entzündeten wir ein wärmendes Feuer und bereiteten ein einfaches, aber herzhaftes Mahl zu. Die erste Etappe hatte sich als sehr anstrengend herausgestellt, weshalb wir uns früh zur Ruhe begaben.


Am Tag zwei lachten wir über die Erlebnisse des Vortages und beschlossen, unser Glück an einem passenden Lagerplatz zu versuchen. Doch das Wetter wollte uns einen Strich durch die Rechnung machen, und so überquerten wir unter großen Mühen den See ein zweites Mal in Richtung Nordosten, was alles andere als ungefährlich war, um schließlich einen geeigneten Platz zu finden. Am Ende der Reise offenbarte sich dieser unberührte Lagerplatz als einer der schönsten, auch wenn der Untergrund etwas steinig war.
Sicherlich fragt ihr euch, welche Ausrüstung wir auf unserer ersten Tour dabei hatten. Ich kann euch versichern, dass wir damals wenig darüber wussten. Wir packten zwei Messer, zwei Isomatten, zwei Schlafsäcke, einige Sportklamotten, gewöhnliche Turnschuhe, ein Erste-Hilfe-Paket und zwei Titan-Trinkbecher ein. Abgesehen von unserer Kameratechnik und einer Powerbank war das unsere gesamte Ausstattung. Das Kanu samt Zubehör sowie Toilettenpapier, Spaten und die Töpfe erhielten wir als Leihgaben aus dem Scandtrack-Camp.

Tag 3-8 der Erkundung – es sollte schließlich nicht umsonst „Kanu-Reise“ heißen. Die beiden Höhepunkte waren der beeindruckende Autofriedhof in Bastnäs und die über 40 km lange Paddeltour über den majestätischen Foxen See, die mich an die Grenzen meiner körperlichen Leistungsfähigkeit brachte.
Tag 9 markierte die Abreise mit dem Bus – eine schöne Reise, die so schnell zu Ende ging. Es wäre mir lieb gewesen, noch länger dort zu verweilen, doch irgendwann müssen wir uns auch wieder dem Arbeitsalltag stellen. Die Rückreise gestaltete sich, wie bereits die Anreise, als Tortur, sodass wir letztendlich erleichtert waren, unsere Katze zuhause wieder in die Arme schließen zu können.





























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